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Zur
Schulgeschichte der EOS Sömmerda
1947
Mit neun Schülerinnen und Schülern begann im Spätsommer
1947 die Abiturausbildung in Sömmerda. Bis dahin gab es in Sömmerda
nur eine Mittelschule.
Es war nicht möglich, in Sömmerda ein Abitur abzulegen. Schüler,
die einen gymnasialen Bildungsweg wählen wollten, mussten sich an
Weimarer oder Erfurter Schulen anmelden.Nach Ende des Zweiten Weltkrieges
wurde in der sowjetischen Besatzungszone das bisherige Schulsystem durch
eine demokratische Einheitsschule ersetzt.
Gedacht war sie als Zwölf- Jahres- Schule für alle Kinder. Die
erste neunte Klasse dieses neuen Schultyps wurde an der Pestalozzi-Schule,
heute Regelschule Ch. G. Salzmann, geschaffen.
1949
Mit dem Schuljahr 1949/50 wurden per Gesetz Änderungen im Bildungsweg
eingeführt. Nach der achten Klasse gab es die Möglichkeit, eine
Berufsausbildung zu beginnen oder den Besuch einer erweiterten Oberstufe,
die als Abschluss ein Abitur vorsah. Diese Klassen, nach wie vor zugehörig
zur Pestalozzi-Schule, wurden so eine selbstständige
Oberschule, die sich im Gebäude des heutigen Schülerfreizeitzentrums
in der Kölledaer Straße befand. Die ersten Schüler legten
hier 1951 ihre Reifeprüfung ab.
Das Gebäude in der Kölledaer Straße hatte neben den Unterrichtsräumen
auch zwei Wohnungen: Eine Lehrerwohnung oben sowie eine Hausmeisterwohnung
unten.
Hinter dem Gebäude war ein Schulgarten. Trotz der wenigen Klassenräume
gab es einen Zeichensaal, Chemie- und Physikraum. Die Geschlechter wurden
noch getrennt.
1950
Aufgrund der erhöhten Schülerzahl wurde es im Gebäude
der Kölledaer Straße zu eng und man suchte nach weiteren Möglichkeiten,
die Schüler der Oberschule zu unterrichten.
Ab 1950/51 zogen die Schüler und Lehrer in die 3. Etage der heutigen
Salzmannschule, direkt neben dem bisherigen Unterrichtsort, ein.
1951
Die weiter wachsenden Schülerzahlen erzwangen zum Schuljahr 1951/52
einen Umzug in die Bahnhofstraße 29. Dieses Gebäude wurde nach
geraumer Zeit von der Polizei benötigt
und so musste das Bildungswesen weichen. Außerdem lag
das Gebäude in der Bahnhofstraße an der viel befahrenen Straße
ungünstig.
1952
Am westlichen Stadtrand Sömmerdas gab es das Verwaltungsgebäude
des ehemaligen Munitionsbetriebes "Selkado". Diese Villa wurde
ab 1952 die Oberschule von Sömmerda.
Bis Ende des Schuljahres 1993/94 war sie das Zuhause für
alle Schüler, die das Abitur ablegen wollten. Obwohl sich dort nie
optimale Lehr- und Lernbedingungen boten,
liebten die Schüler und Lehrer dieses Gebäude. Einen Anteil
daran hatten sicher auch die Schatten spendenden Bäume und der große
Garten. Weiterhin lag die Villa fernab
vom Lärm der Hauptstraße. In diesem Gebäude befanden sich
neun Unterrichtsräume, darunter 2 Fachräume für Chemie
und Physik.
Der größte Raum war die Aula, welche für den Musik- und
Kunstunterricht und andere Veranstaltungen genutzt wurde.
1953/54 kam ein Volleyballplatz dazu, der auch als Appellplatz diente.
Exkurs:
Der ehemalige Schulleiter, Herr L. Scherff erzählt:
"Ich unterrichtete zuvor noch nie in einem Gebäude, das
wie ein Wohngebäude aufgebaut war. Ich habe Physik unterrichtet in
der Villa auf dem Boden (Spitzboden),
welcher damals nicht ausgebaut worden war. Dort standen Stühle um
einen großen Tisch auf dem Experimente gemacht werden konnten. Weiterhin
gab es keine Schreibgelegenheiten; es war wie im Kino. Trotz Einschränkungen
an Lehrmitteln wurden diese Schüler auch Naturwissenschaftler.
Es konnten keine größeren Versuche in der Villa durchgeführt
werden, da diese wie schon erwähnt zu klein war. Ende der 60er wurde
die Villa durch ein Anbau erweitert.
In dem Anbau befanden sich die Fachräume für Physik, Chemie.
Es gab wenig Schüler und Lehrer. Demzufolge kannte jeder jeden gut.
Standard waren zwei bis drei Klassen pro Jahrgang. Die Treppen waren zu
klein für eine Schule. Zweimal pro Jahr stand das Wasser im Keller.
Nach der Unstrut Regulierung sank der Grundwasserspiegel und so rutschte
der Anbau nach hinten, dadurch entstanden Risse in den Wänden.
Weitere Bau- und Sanierungsarbeiten folgten, z.B. als 1963 Hochwasser
in den Keller des Gebäudes drang.
Dieses Problem wurde mit dem Bau eines Rückhaltebeckens in Straußfurt
beseitigt. Im selben Jahr wurde ein Physikraum unter dem Dach errichtet."
Im Zuge der Instandsetzungsarbeiten wurden viele Räume neu ausgebaut
und das Energienetz der Schule neu installiert.
Trotz aller Neuerungen war das Haus 1994 nicht mehr zu halten man
zog in das heutige Hauptgebäude des ASG um.
1959
Ab September 1959 wurde die Oberschule in Erweiterte Oberschule
(EOS) umbenannt. Alle Einrichtungen, die auf das Abitur vorbereiteten,
trugen jetzt diesen Namen.
Da der Bedarf der DDR an qualifizierten Kadern für Wirtschaft
und Wissenschaft ständig wuchs, standen die gesellschaftswissenschaftlichen
Fächer im Vordergrund,
gefolgt von Mathematik, Naturwissenschaften und Sprachen. Eine Aufnahme
in die Oberschule erfolgte bis 1960 durch die Schule selbst.
Verbindlich war nur, dass zwei Drittel der Schüler aus Arbeiter-
und Bauernfamilien stammen mussten. Vorgegeben vom Rat des Kreises waren
auch die Anzahl der Klassen,
die Anzahl der Schüler sowie der Anteil von Jungen und Mädchen.
An die Zeiten des Büromaschinenwerkes angepasst, begann der Unterricht
(mit Sondergenehmigung) um 6.50 Uhr und teilte sich in Vormittags- und
Nachmittagsunterricht. Da die Schule über keine eigene Sporthalle
verfügte, fand der Sportunterricht nachmittags statt.
Die Unterrichtsbedingungen der ersten Jahre erforderten viel Organisationstalent,
da es an fast allem fehlte, auch an Lehrbüchern, Schulheften und
Schreibutensilien.
1962
Ab dem Jahr 1962 mussten Schüler entscheiden,
ob sie ab Klasse 11 in Kunsterziehung oder Musik unterrichtet werden wollten.
Im gleichen Jahr wurde auch eine Berufsausbildung neben
dem obligatorischen Unterricht eingeführt.
Die meisten Schüler erlernten jetzt im Büromaschinenwerk den
Beruf eines Mechanikers oder Elektromechanikers.
Zudem gab es das Angebot, in Kölleda den Beruf des Funkmechanikers
zu erlernen oder als Facharbeiter für Agrartechnik auf der LPG abzuschließen.
Unter dieser zusätzlichen Belastung litten die Leistungen in den
sprachlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen.
Da das offenbar ein generelles Problem aller Erweiterten Oberschulen war,
wurde das Experiment vom Ministerium für Volksbildung mit dem Schuljahr
1967/68 eingestellt
und die Berufsausbildung wurde durch ein neues Fach ersetzt,
die wissenschaftlich-praktische Arbeit, WPA.
Dieses Fach bereitete u.a. auf das Hochschulstudium vor. Eine Arbeit in
diesem Fach zum Thema Reinigung schwermetallhaltiger Abwässer
der Galvanik gelangte
sogar zur Patentreife.
1965
Das neue Schulgesetz von 1965 veranlasste die Bildung von so genannten
Vorbereitungsklassen, das waren die Klassen 9 und 10, die ab 1967/68 zum
ersten Mal unterrichtet wurden. Um jedem Schüler Chancengleichheit
zu gewährleisten, wurden die Klassen der EOS nach den gleichen Lehrplänen
unterrichtet wie die Schüler der Polytechnischen Oberschulen, POS.
Exkurs: Ausrichtung und Traditionen der Schule
Seit ihrer Gründung hatte die Oberschule in Sömmerda immer
eine mathematisch- naturwissenschaftliche Ausrichtung.
Mitte der 50er Jahre kam noch eine fremdsprachlich orientierte Richtung
dazu. Ebenso beliebt bei den Schülern waren die jährlichen Exkursionen
(von 1954 bis 1972).
Besondere Verdienste erwarb sich dabei der langjährige Direktor der
Schule, Dr. Zimmer. Der Exkursionsplan von 1959/60 sah z.B. eine Exkursion
zum Dachziegelwerk,
zur Wartburg, zur Leipziger Messe, zur Thüringer Pforte und nach
Weimar, zum Goethe- und Schillerhaus, vor.
Durch ein Abkommen mit dem Saatzuchtbetrieb der Insel Poel von 1956 konnten
Schüler in 14-tägigen Durchgängen fünf halbe Tage
in der Woche ein Praktikum absolvieren.
Die restliche Zeit diente der Freizeit und Erholung. Der erste Jahrgang
schlief auf Stroh und musste sich im Pferdestall waschen.
Alle weiteren Durchgänge waren dann im Lehrlingswohnheim untergebracht.
Diese Ferienaktion bestand bis zum Ende der 70er Jahre.
Das kulturelle Leben der Stadt Sömmerda wurde auch von den Traditionen
der Oberschule beeinflusst.
1953 entstand die erste Schülerband. Als dann 1955 ein
Berufsmusiker als Musiklehrer an die Schule kam, Herr Kimpel, nahm die
kulturelle Arbeit einen bedeutenden Aufschwung, den sie ein gutes Jahrzehnt
bewahren sollte. Herr Kimpel gründete ein Schulorchester, übernahm
den Mädchenchor und machte daraus einen Schulchor.
Aus Chor und Orchester sind Musiker wie Elfrun Gabriel, Hans-Jörg
Caspar und Gerd Schwendler hervorgegangen.
Jedes Jahr vor Weihnachten findet ein öffentliches Konzert statt.
Diese Tradition hat sich bis heute erhalten.
Die beliebten Weihnachtskonzerte finden in der Bonifatiuskirche statt.
1953 wurde der Weihnachtsball zum ersten Mal veranstaltet.
Er ist ebenfalls Tradition geblieben und es gibt ihn heute noch unter
dem Namen Ball der ehemaligen Abiturienten.
1991
Mit dem Schuljahr 1991/92 wurde das vorläufige Thüringer
Schulgesetz umgesetzt. Das bedeutete, dass im Land Thüringen Grundschulen,
Regelschulen und Gymnasien als Standard eingeführt wurden. Damit
war es möglich, dass in Sömmerda Kinder, beginnend ab der 5.
Klasse, kontinuierlich an einer Schule bis zum Abitur geführt werden
können.
Im Landkreis Sömmerda nahmen mit dem Schuljahr 1991/92 die Gymnasien
Kölleda und Sömmerda ihre Arbeit auf.
Die räumlich prekäre Situation in Sömmerda zwang dazu,
dass das "Staatliche Gymnasium Sömmerda" seine Schülerinnen
und Schüler in drei Schulteilen unterrichten musste.
Diese waren: das Hauptgebäude (ehemalige Karl-Marx-Oberschule in
der Salzmannstraße), die Außenstelle in Kindelbrück,
und die ehemalige EOS (Villa).
Den Schulteil Kindelbrück besuchten Schüler der Klassen 5 bis
8, vorwiegend aus Weißensee, Günstedt und Kindelbrück.
Im Haupthaus in Sömmerda wurden alle Schüler der 5. bis 10.
Klassen aus Sömmerda, Schloßvippach, Großrudestedt und
weiteren Orten unterrichtet.
Den Traditionen entsprechend, bereiteten sich die Schuler der 11. und
12. Klassen im ehemaligen EOS-Gebäude auf das Abitur vor.
Diese Aufteilung blieb auch im Schuljahr 1992/93 so bestehen.
1992 Staatliches Gymnasium Albert Schweitzer
Sömmerda
Am 27. November 1992 wurde dem Gymnasium der Name:
Staatliches Gymnasium Albert Schweizer verliehen.
1994
Wegen der ansteigenden Schülerzahlen deuteten sich weitere Veränderungen
an. In Sömmerda wurde im Gebäude der Einstein-Regelschule eine
neue Außenstelle eröffnet.
In dieser lernten die Schüler der Klassen 5 bis 8. Zugleich stand
schon 1993 fest, dass es ab dem Schuljahr 1994/95 nicht mehr möglich
sein würde,
im ehemaligen EOS-Gebäude alle Schüler der 11. und 12. Klassen
zu unterrichten. Die Anzahl und Größe der Räume war den
steigenden Schülerzahlen nicht gewachsen.
Hinzu kam auch, dass der bauliche Zustand der Villa äußerst
schlecht war. Dieses Gebäude stand dann nicht mehr für Unterrichtszwecke
zur Verfügung und wurde später
aufgrund des desolaten Zustandes abgerissen. Desweiteren wurde durch einen
Kreistagsbeschluss geregelt, dass die Außenstelle Kindelbrück
1995 nach Kannawurf zu verlegen sei.
Damit existierte folgende Situation:Die Kinder der Klassen 5 bis 8 aus
Sömmerda, Schloßvippach, Großrudestedt und der Orte im
südlichen Teil des Kreises besuchen den Schulteil des Gymnasiums
in der Einsteinstraße.Die Kinder der Klassen 5 bis 8 aus Weißensee,
Kindelbrück, Günstedt und der Orte im nördlichen Teil des
Kreises besuchen den Schulteil des Gymnasiums in Kannawurf.
Mit Beginn des 9. Schuljahres wechseln alle Schülerinnen und Schüler
von den Außenstellen in das Hauptgebäude in Sömmerda,
Salzmannstraße.
Damit hatte das Gymnasium in Sömmerda immer noch drei Ausbildungsorte.
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